Katalogtext von Maria Weigel zur Ausstellung “die Kunstreihe”, 

Volksbank Karlsruhe, 2001 

Die Beschäftigung mit den Grundelementen künstlerischer Gestaltung loten die Arbeiten von Ulrike Tillmann aus. Durch die Vervielfältigung von Punkt und Linie generiert sie Strukturen, die als Rapportmuster die Bildfläche füllen oder als zentrales Einzelmotiv immer gleicher Ausführung auf mehreren Leinwänden aneinandergereiht werden. Dabei erfüllen diese jedoch keine traditionell an ein Kunstwerk gestellten Erwartungshaltungen.

Der potentiell ins Unendliche multiplizierbaren Struktur eignet nicht mehr Informationsgehalt als ihren Grundelementen. Gegenständliche Bezüge rufen im Betrachter Zuordnungen zu realen Dingwelten auf, die jedoch vom gedanklichen Konzept her nicht aufgelöst werden.

Selbst Schriftzeichen formen nur zufällig lesbare Worte, stehen ansonsten ohne Zäsur als bloße Reihung ohne höheren Aussagewert nebeneinander. Inhaltliche Deutung wird vor diesem Hintergrund ein ambivalenter Zustand, getragen von Konvention und Zufall.

Ganz im Gegensatz dazu steht der gestisch gestimmte Pinselduktus jedes einzelnen Werkes. Der prozessuale Charakter hinterlässt sichtbare Spuren im Bild, die jenseits der gewählten Darstellung aufscheinen. Die in der Bildaussage verweigerte Einmaligkeit tritt hier unerwartet ins Konzept.

Katalogtext von Ulrike Tillmann für „die Kunstreihe“:

Volksbank Karlsruhe Die Genauigkeit von Punkt und Linie, deren Funktionen als Grundform: das sind die Ressourcen auf denen sich jede Art von Gestaltung aufbaut. Ein Duplikat, eine Variante eines Elementes bewegt sich im Bereich der Belanglosigkeit. Permanente Wiederholung formt einen Zustand, Struktur oder Muster; dem wir Bedeutung, im Sinne von Information/Effizienz zumessen. Und doch ist die Beschäftigung mit den Grundelementen, fernab von Funktionalität, notwendig. Der Prozess der Arbeit, die Zeit die beansprucht wird, die Mühe soll sichtbar bleiben. Die zeitraubende Aufwendung die einem einzigen Projekt zugutekommt, wird zu einer Meditationsübung: ständige Wiederholungen; die Neugier ein Bild entstehenzulassen; aber auch die Ruhe die darauffolgt wenn man das Gesamtkunstwerk zugunsten des Fragmentes aus dem Blick verliert. Der Betrachter soll sich versenken in der Struktur, einzig begrenzt durch den Bildrahmen. Begriffsbildung erscheint als ambivalenter Zustand zwischen Zufall und Konvention.